Teilprojekt H5 - Inhalt



Ausgangsfragestellung des Projekts


Die aortokoronare Bypassoperation ist unverändert der häufigste und volkswirtschaftlich bedeutsamste Eingriff in der Herzchirurgie. Allerdings kommen heute Patienten mit weit fortgeschrittener Gefäßpathologie zur Operation, die in der Regel kardiologisch revaskularisierende Maßnahmen bereits hinter sich haben (Dilatationen, Stentimplantationen etc). Als Folge hat sich die chirurgische Technik verändert, so dass komplexe und ausgedehnte revaskularisierende Maßnahmen häufig sind. Diese vom Konzept her attraktive chirurgische Technik der Gefäßrekonstruktion ist durch zwei Probleme belastet: 1.) in unmittelbarer Nachbarschaft der chirurgischen Insertionsstellen von Graftmaterial (arteriell oder venös) kann es zu neuen Stenosen der Nativgefäße kommen. 2.) Die thrombendarteriektomierten Gefäßsegmente zeigen eine hohe Rate von Frühstenosen durch Intimaproliferation. Wesentliches neues methodisches Instrument zur Verbesserung der Therapieerfolge ist die intrakoronare Bestrahlung auf der Grundlage vorangegangener rechnerunterstützter Simulationen zur Therapie und Prophylaxe von Restenosen und zur Ermöglichung einer konsequenten 3D-Rekonstruktion von Herzkranzgefäßen. Zahlreiche tierexperimentelle und auch klinische Daten lassen eine Übertragung auf den Menschen sinnvoll und notwendig scheinen.

Bei der Umsetzung des Projektes wird auf Methoden zurückgegriffen, die im SFB zur Verfügung stehen oder parallel in anderen Projekten entwickelt werden. Dazu gehört die 3D-Bildgebung der Herzkranzgefäße, Algorithmen zur Verfolgung des Koronarbaumes, Algorithmen zur Simulation, Simulation des intrakoronaren Strömungs- und Flussverhaltens und Kopplung zwischen Perfusion und Kontraktilität. Unter pragmatischen Gesichtspunkten ist wichtig, dass im SFB Erfahrungen mit Strahlungsquellen im chirurgischen OP bereits vorliegen.

Anhand individueller Patienten-Bilddaten wird wissenschaftlich untersucht, a) welches Gefäß sich zur chirurgischen Rekonstruktion eignet, b) wie die chirurgische Gefäßrekonstruktion im Detail durchgeführt werden soll und c) welches Gefäß mit welcher Energie und in welcher Ausdehnung intraoperativ bestrahlt werden soll.

Postoperative Wiederholungen der 3D-Bildgebung sollen zur Evaluation beitragen und u.a. Antwort auf die Frage geben, a) wie das Risiko von Koronaraneurysmen in Abhängigkeit von der Strahlendosis zu bewerten ist, b) ob eine prospektive Simulation der Gefäßrekonstruktion (und damit des Bestrahlungsergebnisses) möglich ist, c) ob die Endothelialisierung tatsächlich verlangsamt ist und d) ob Appositionsthromben häufiger auftreten, die die Notwendigkeit einer differenzierten Gerinnungstherapie begründen.








letzte Änderung: 10.05.2004
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