Teilprojekt H2 - Inhalt

Zielsetzung und Ausgangsfragestellung für das Projekt.

Der Erfolg herzchirurgischer Eingriffe hängt ganz wesentlich von der perioperativen Herzfunktion ab. Wichtigste Determinanten der Herzfunktion sind Vor- und Nachlast, deren Einfluss unter verschiedenen Bedingungen während der zurückliegenden Förderungsperioden untersucht wurde, und die Koronarperfusion, auf die sich das vorliegende Forschungsvorhaben konzentriert. Eine starke Verminderung der Koronarperfusion kann die Sauerstoffversorgung des Herzens reduzieren und dabei die kontraktile Funktion herabsetzen. Auch ohne wesentliche Einschränkung der Sauerstoffzufuhr kann ein sinkender Koronarperfusionsdruck über mechanische Effekte (Gartenschlauch-Phänomen) eine reversible Funktionseinschränkung des Herzens hervorrufen. Die Perfusions-Kontraktilitäts-Kopplung beschreibt die Zusammenhänge zwischen Koronarperfusion und Myokardfunktion. Gerade unter den perioperativen Bedingungen der Herzchirurgie kann diese Kopplung mit signifikanten Auswirkungen auf den postoperativen Verlauf der Patienten verändert sein. Die häufig beobachteten verminderten Perfusionsdrücke intra- und postoperativ, Ischämie/Reperfusionsschaden und intensivmedizinische Massnahmen können die Perfusions-Kontraktilitäts-Kopplung zum Nachteil der Patienten beeinflussen und damit das Operationsergebnis gefährden.

Bisherige Beschreibungen der Perfusions-Kontraktilitäts-Kopplung basieren auf Experimenten an isolierten Herzen, wobei die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Situation in vivo eindeutig limitiert ist. In vivo gab es bislang keine Untersuchungen zur Auswirkung der Koronarperfusion auf die Myokardfunktion unabhängig von anderen Faktoren. Die Schwierigkeit derartiger Experimente liegt darin, dass in vivo Aortendruck und Koronarperfusionsdruck gleichgeschaltet sind: eine Veränderung des Aortendruckes bedeutet eine gleichzeitige Veränderung des Koronarperfusionsdrucks. So kann die alleinige Auswirkung des Koronarperfusionsdrucks nicht von Veränderungen der Nachlast differenziert werden. Von unserer Arbeitsgruppe wurde daher ein neues Modell entwickelt, in dem die Koronararterien unabhängig von der aktuellen Nachlast druck- oder flussgesteuert in vivo perfundiert werden können.

Ziel des vorliegenden Forschungsvorhabens ist es, herzchirurgisch relevante Aspekte der Perfusions-Kontraktilitäts-Kopplung zu bearbeiten. Aufgrund experimenteller Daten soll ein mehrstufiges Modell der Perfusions-Kontraktilitäts-Kopplung entwickelt und validiert werden.




letzte Änderung: 10.05.2004                                                                                                                                                                          
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